Reise

Die Newa-und Kanalfahrt in Sankt-Petersburg.

Newa entspringt dem Ladoga-See. Newa ist relativ kurz und verbindet den Ladoga-See mit dem Finnischen Meerbusen. Auf Finnisch bedeutet Newa-Sumpf. In die Newa münden gut 30 Zuflüsse (Mga, Tosna, Ishora, Ochta). Ihre Gesamtlänge beträgt 74 km, davon 32 km innerhalb der Stadt. Den nördlichen Teil des Newa-Deltas bezeichnen die Petersburger als “die Inseln”: das sind die Jelagin-, Krestowskij-, und Kamennij-Insel.

Die Newa fliesst aus dem Ladoga-See durch die Karelische Landenge und strömt in einem weiten Delta in den Finnischen Meerbusen. Der nur 74 km lange Fluss erreicht eine Breite von 500 m; seine tiefste Stelle ist 24 m. Mit seiner aussergewöhnlicher Abflussmenge nimmt er unter den europäischen Flüssen den sechsten Rang ein.

Mauersegler und Mehlschwalber nisten auf den grossen Gebäuden an der Newa. Sie ernähren sich von Insekten, die sich dicht über den Wasseroberfläche fangen. Nach dem Aufbruch des Eises kann es noch über einen Monat dauern, bis die Newa wieder schiffbar ist. In besonders strengen Wintern führt sie nach dem Brechen des Eises noch lange Eisblöcke aus dem Ladoga-See. Im Winter ist der Fluss für die Dauer von zwei bis fünf Monaten durch Eis blockiert, so dass die Fische vor Frost geschützt sind.

An der Stelle, wo die Fontanka aus der Newa tritt, wurde für Peter I. der Sommerpalast erbaut (1710-1714) und der erste Garten Petersburgs, der Sommergarten, angelegt. Im Sommerpalast befindet sich ein Museum für die Alltagskultur der Petrinischen Epoche. Noch zu Peters Zeiten wurden im Garten von italienischen Meistern geschaffene Skulpturen aufgestellt. Das 1771-1784 nach den Plänen von Velten und Jegorow angefertigte Gitter des Sommergartens versetzt schon viele Generationen in Begeisterung.

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Wenn die Newa im Winter zu Eis erstarrte, nutzte man sie nicht nur als Verkehrsweg, sondern auch für besondere städtische Belustigungen. In Petersburg gab es traditionelle Weihnachts-und Neujahrsvergnügungen auf dem Eis der Newa. Vor Weihnachten wurden hohe Eisberge aufgefahren, die mit bizarren Türmchen versehen wurden, über denen bunte Fahnen wehten. Im 18.und 19. Jahrhundert entstanden am linken Newa-Ufer zwischen dem ehemaligen Territorium des Giessereihofes und dem Admiralitätskanal grossfürstliche Paläste und Häuser der Aristokratie, was der Uferstrasse ihr endgültiges Aussehen verlieh.

Obwodnij-Kanal wurde 1803-1835 angelegt und dient dem Verkehr von Lastschiffen ausserhalb des herrschaftlichen Zentrums und zum Ableiten des Wassers bei Überschwemmungen.

Direkt im Zentrum Petersburgs treten die Granitmauern und Bastionen der Peter-Pauls Festung auf die Newa hinaus. Hier ist der Stadtgründer Peter I. begraben. Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts diente die Festung als politisches Gefängnis. Seit 1924 ist die Festung ein Museum, seit 1993 Museumsresevat.

Das von einem Turm gekrönte Gebäude der Kunstkammer entstand zwischen 1718 und 1734. Der Eintritt in die Kunstkammer war frei, darüberhinaus wurden den Besuchern auf Befehl Peters I. Verköstigungen angeboten. Hier warden heute einzigartige Ausstellungsstücke aufbewahrt. Dazu gehört der Gottorper Globus, der 1644 im Herzogtum Schleswig-Holstein angefertigt wurde. Während seiner Auslandsreise 1713 erhielt Peter I. ihn zum Geschenk und brachte nach Petersburg.

Der zwischen 1710 und 1714 errichtete Palast von Menschikow war zu jener Zeit das grösste und schönste Gebäude der Stadt.

Am Admiralitätskai wurde in den 1990er Jahren ein von Leopold Bernstamm geschaffenes Denkmal für Peter I. errichtet, das den jungen Zaren beim Bau eines Schiffes darstellt. Einen Abguss davon brachte man nach Holland als Geschenk, wo Peter I. Schiffbau gelernt hatte. Nach der Oktoberrevolution wurde das Petersburger Denkmal vernichtet. Zum 300jährigen Gründungsjubiläum der russischen Flotte und der grossen Gesandtschaft Peters I. nach Holland kehrte es an die Ufer der Newa zurück. Auf dem niedrigen Sockel prangt die Aufschrift: “Dieses Denkmal wurde der Stadt St.Petersburg vom Königreich der Niederlande überreicht. Enthüllt am 7. September 1996 durch sein Königliche Hoheit Prinz von Oranien.”

Zu einem Schmuck der Newa-Ufer wurde 1768-1785 nach den Plänen von Rinaldi errichtete Marmorpalast. Sein erster Besitzer war Grigorij Orlow, der bei der Palastrevolte von 1762, die Katharina auf den Thron brachte, eine wesentliche Rolle spielte.

Dreifaltigkeitsbrücke. Erst 1903, zum 200. Geburtstag der Stadt, wurde die Petrograder Seite durch eine feste Brücke mit dem Festland verbunden; zuvor hat man Pontonbrücken verwendet. In einem internationallen Wettbewerb gewann die Firma Gustave Eiffels den ersten Preis. Noch heute fällt der vom Jugendstil beeinflusste Dekor des mächtigen, 582 m langen Bauwerks ins Auge.

Das Häuschen Peters des Grossen errichteten Zimmerleute in nur drei Tagen im Mai 1703. Hier verbrachte der Zar, der persönlich den Bau der Peter-Pauls-Festung beaufsichtigte, den Sommer. Der Steinbau enstand erst 1846. Sobald der Palast im Sommergarten fertiggestellt war, zog Peter I. um und liess das Häuschen leer zurück. Seit 1930 dient era ls Museum. Der erste Wohnsitz Peters des Grossen ist wirklich ein Häuschen: 11,95*5,35 m im Gefiert und bis zum Dachfirst 5,78 m hoch.

Die Einrichtung des Hauses ist schlicht, mit Wassergeschirr, geografischen Karten und bemalten Türrahmen. Die Aussenwände liess Peter der Grosse im Ziegelmuster bemalen, weil das Haus wie ein holländisches aussehen sollte-das gefiel ihm seit seiner niederländischen Reise.

Am Ufer der Newa sind zwei seltsame Skulpturen von Shi Chze zu sehen. Diese Fabelwesen bewachten die Eingänge zu buddhistischen Tempeln in der Mongolei, in China und Südostasien. Die beiden Skulpturen mit den Löwenhäuptern vor dem Haus sind erst 1907 aus der Mandschurei dorthin gekommen.

Aus der Schiffskanone des Kreuzers Aurora wurde am 25. Oktober 1917 um 21.40 jener historische Schuss Richtung Winterpalast abgefeuert, der das Signal zur Erstürmung des Hauptquartiers der provisorischen Regierung gab. 1903 wurde der Kreuzer in Dienst gestellt. Ihre Feuertaufe erhielt die Aurora im Russisch-japanischen Krieg (1904-1905). Danach war es das Schulschiff. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Geschütze des Schlachtschiifes in der Nähe der Front eingesetzt. Leninsmanifest “An die Bürger Russlands” wurde nach dem Sturm auf das Winterpalais per Funk von der Aurora verbreitet. Im Schiff wird eine Ausstellung des Marinemuseums gezeigt.

In der Nähe liegt ein hübsches Palais der Primaballerina Mathilde Kschessinskaja, der Geliebten des Zaren Nikolaus II. 1917 nach Paris emigriert, leitete sie dort eine Ballettschule und starb 99jährig im Jahr 1971.

Von weitem sind zwei Minaretten zu sehen und unter ihnen eine hohe Kuppel – granitgrau und mit türkisfarbenen Kacheln geschmückt, die einst im Großteil der Fassade überzogen- das ist St. Petersburger Moschee. In dieser Gegend waren viele muslimische Tataren, die in der Nachbarschaft der Peter-und-Paul-Festung siedelten. Moschee wurde auf Kosten der muslimischen Gemeinschaft 1910-1914 errichtet, in Anlehnung and as Gur-Emir-Mausoleum in Samarkand (15. Jh.). Wunderschön anzusehen sind heute noch die farbigen Kacheldekore mit arabischer Schrift und das Portal und das blaugoldene Kachelornament in der Gebetsnische. Der zwischen 1956 und 1962 erbaute Fernsehturm erhielt 1986 eine neue Antenne. Seitdem ist er nicht mehr 316 m hoch, sondern nur noch 310 m, was jedoch nichts an der Tatsache ändert, dass er das höchste Bauwerk der Stadt ist – er ist sogar 9 Meter höher als der Eifelturm in Paris. Bei stürmischem Wind schwankt seine Antenne bis zu zwei Meter hin und her.

Der Finnische Bahnhof wurde 1955-1960 umgebaut. Der Mittelteil des alten Bahnhofs wurde erhalten und in eines der neuen Gebäude integriert. Beim Bahnsteig ist die Lokomotive Nummer 293 zu sehen, auf der der Finne Hugo Jalava den als Heizer verkleideten Lenin im Oktober 1917 nach Russland zurückbrachte. Im Jahr 1957 machte die finnische Regierung die Lokomotive dem russischen Volk zum Geschenk. Vor dem Gebäude des Bahnhofs steht noch ein Denkmal – ein Panzerwagen “Feind des Kapitals”. Am 3. April 1917 nach dem Sturz der Monarchie kehrte Lenin nach Russland zurück, wo mehrere tausend Bolschewisten ihm einen begeisterten Empfang bereiteten. Lenin erklomm den Panzerwagen und hielt eine kurze temperamentvolle Ansprache, in der er sagte der Weg für eine Revolution frei sein solle.

Flussauswärts ist die Brücke Peters des Großen. Im September 1901 wurde für die Errichtung dieser Brücke ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben. Doch keins der 16 Projekte wurde bewilligt. Angenommen wurde das außerhalb des Wettbewerbs eingereichte Projekt des Ingenieurs Kriwoschein und des Architekten Apyschkow. Der Bau begann 1909, die feierliche Einweihung fand im Herbst 1911 statt.

In der Nähe ersteht am Ufer der Newa völlig unerwartet ein altes Landshaus im klassizistischen Stil. Von besonderem Interesse ist seine Umzäunung aus 29 kettenhaltenden Löwenfiguren. Zur Anlegestelle an der Newa führt eine mit Vasen und steinernen Sphinxen geschmückte Treppe hinab. Dieses Landshaus gehörte dem bekannten Literator und Mäzen Grigorij Kuschelew-Besborodko. Im Sommer 1858 weilte hier Alexander Dumas. In Erinnerungen an seinen Aufenthalt in Sankt Petersburg erzählte er, wie oft er den Blick auf das Smolny -Kloster genossen hatte, das gegenüber dem Landshaus lag.

Autor: http://www.contentworld.com/authors/profile/18044/

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